Willkommen im RFT-Blog
Meine Blog-Beiträge spiegeln meine ganz persönliche Meinung wieder. Natürlich gefallen sie nicht jedem – und das ist auch gut so.
Ich bin ein Freigeist und orientiere mich einzig an meiner begrenzten Lebenszeit, denn sie ist für mich die wertvollste Währung, die wirklich zählt.
Zum Schweigen fehlen mir die richtigen Worte
Den Ruf als „Spitze Feder“ habe ich mir bereits als junger Journalist in den 70er-Jahren redlich verdient. In den 90er-Jahren nannten mich Studenten und Studentinnen „Phanthomas“. Die Geschichte, wie es zu dem ‚Künstlernamen‘ kam, ist abendfüllend. Das Schöne am Schreiben ist, es endet nicht mit dem Eintritt in die Rente. Die spitze Feder bleibt. Das Augenzwinkern auch. Zudem finde ich alles interessant, worüber andere gerne Gras wachsen lassen.
Anmerkung: Weder meine Medienprojekte noch ich selbst haben oder hatten jemals Verbindungen zu irgendeiner politischen Partei oder bestehenden Gruppierungen. autor@rudolf-thomas.de

Gute Nacht Frankfurter Buchmesse
RFT 8. Oktober 2026 | Tja, die Frankfurter Buchmesse! Meine Begeisterung für die Welt der Bücher hat sich stark verändert. Früher als Journalist war die Buchmesse fester Bestandteil in meinem Terminkalender. Als Buchautor wurde sie mir Jahr für Jahr fremder. Im letzten Jahr war es dann für mich endgültig vorbei. Heute ist mir die Zeit dafür zu schade. Zu viel Klimbim, noch mehr Gesinnungsgesäusel, zu viele Buchreihen und noch ein neuer Trend, der bei genauer Betrachtung gar keiner ist. In unserer Gesellschaft übertrifft sich die Superlative und auf dem Buchmarkt liefert sich das Überangebot an Büchern ein Wettrennen. An den Boxen lauern Autorenberater und labern von und über Sichtbarkeit, ohne die es keinen Verkaufserfolg gebe.
Die aufgesetzte Hektik der Buchmesse ist mir zu langweilig. Ein Buch zu schreiben mit der Unterstützung der Künstlichen Intelligenz scheint bequem, ist aber nicht mein Genre. Ich erzähle in meinen Romanen lebensbejahende Geschichten, für die ich Zeit benötige. Oft ringe ich dabei wochenlang mit meinen Figuren und mit mir selbst. Liegt am Ende mein Roman gedruckt auf dem Tisch, dann geht die Post ab: Medien informieren, Journalisten kontakten, Videos drehen, Pressetermine wahrnehmen und Lesungen organisieren. Das alles ist für mich keine Last. Im Gegenteil, ich liebe und lebe meine künstlerische Freiheit. Ich habe keine Lust auf die künstlich erzeugte „hektomanische“ Welt der Bücher.
Im Jahr 1993 erschien mein erstes Buch „Chefsache Mobbing“ im Gabler Verlag. Da gab es noch Zeit und Raum für Gespräche mit dem Verleger und der Lektorin. Heute bekomme ich Angebote nach dem Motto „Wir machen Dich zu einer ganz großen Nummer“. Mich muss niemand zu einer Nummer machen. Ich bin seit 76 Jahren ein Original und der Inbegriff von Authentizität. Wer mich kennt, weiß das. Mein Credo lautet, ich spreche mit jedem und allen. Gelegenheiten dazu gibt es in meinen Veranstaltungen.
Wer mich hören möchte, der kann auf meiner Homepage den Podcast „Was machst Du mit der Zeit?“ einschalten. Stimme macht Stimmung. Dafür sorge ich garantiert. Live und in Farbe sowieso.
Berlin du kannst es nicht
RFT 24. September 2026 | Normalerweise lehne ich auf Anhieb nicht gleich ab. Keine Menschen, keine Tiere und schon gar keine Ideen. Bereits als Kind habe ich gelernt, erst zu zuhören, um dann nachzudenken. Später im Beruf als Journalist war Zuhören oberstes Gebot, denn nur wer zuhört, kann verstehen. Also hörte ich zu. Erst in Mannheim bei der Jahresversammlung des Rassen-Geflügel-Zuchtvereins und ähnlicher bürgernaher Veranstaltungen. Mein Chefredakteur meinte, in Vereinen lebe die Demokratie. Zur Hälfte stimmte das, die anderen pflegten eher eine „Demokratur“. Einem Platzwart im Fußballverein zu widersprechen oder gar seine Anweisungen nicht zu befolgen, war nicht möglich. Wir Älteren kennen aus der Schulzeit das „Hausmeister-Syndrom“ nur zu gut.
Ein paar Jahre später hatte ich es geschafft: Ich war in der Bundeshauptstadt Bonn angekommen. Bundespressekonferenz statt Stadtrat. Bonn war seriös, ordentlich, sauber. Mit dem Einzug der Grünen in den Bundestag im Jahr 1983 änderte sich das. Die parlamentarischen Grünen waren eine politische Laienspielschar. 1990 waren die westdeutschen Grünen wieder raus. Dafür kam das Bündnis 90 aus Ostdeutschland ins Parlament. Helmut Kohl & Co. eröffneten die Diskussionen um eine Verlegung der Bundeshauptstadt nach Berlin. 1994 wurde das Berlin/Bonn/Gesetz beschlossen. 1999 war es dann so weit – „tschüs Bonn“.
„Aus Berlin“, mahnte mein verstorbener Opa, „ist noch nie etwas Gescheites gekommen“. Er sollte Recht haben. Das Wahlergebnis vom 20. September 2026 bestätigt seine Ahnung. „Babylon Berlin“ ist nicht nur der Titel einer erfolgreichen Fernsehserie. Berlin leidet an der fehlgeleiteten Sehnsucht nach überragender Höhe. Der Turmbau zu Babel passt haarklein in diese Stadt, die unbedingt kein Dorf sein will. Dabei ist sie kleinkarierter als die fiktive Ortschaft Üchtelstücht, die angeblich irgendwo in Franken existiert. Die Menschen auf dem flachen Land sind moderner, innovativer, kreativer und aufgeschlossener. Berliner glauben mit Geld lässt sich ihr „Dorf“ bereinigen. Sie glauben sogar, mit Enteignungen könnten sie ihren selbst verursachten Wohnungsmarkt begradigen. Um zu „vergesellschaften“ benötigt die verlotterte Linkekaste Geld. Etwa aus dem Länderfinanzausgleich. Vielleicht auch aus dunklen Kanälen, mit denen man in Berlin gerne „funkelt“.
Berlin gehört zwangsverwaltet, denn die Stadt ist seit Jahren pleite. Sie ist in jedweder Hinsicht der größte Sanierungsfall Deutschlands.
Da mache ich nicht mit
RFT 10. September 2026 | Wo fang ich an? Am besten in einer Autovermietung. Ja, die Zeit ist gekommen, um den Keller auszuräumen. Der Sperrmüll musste weg, ein Sprinter sollte her. Den buchte ich problemlos online. Die Formalitäten waren schnell erledigt. Dafür sorgte die KI der Autovermietung. Ich sollte mit meinem Smartphone den Führerschein einscannen, was nicht funktionierte. Es kam der Tag der Abholung. In der Autovermietung saßen hinter Plexiglas zwei Damen. Eine winkte mich generös zu sich. Ich war schnell bedient: Mein Führerschein wäre schon lang abgelaufen, glaubte sie zu wissen. Ich bekam den Sprinter nicht. Meine Argumente halfen nicht. Die junge Frau war stur wie ein Kassenschrank. Und genau an der Stelle bin ich an dem Punkt, wo ich nicht mehr mitmache. Ich habe keine Lust auf diesen Typ Frau, der seit Jahren vorgibt, alles besser zu wissen. Dem man in allen Bereichen suggeriert hat, du brauchst mehr Selbstvertrauen vor allem gegen ältere ergraute Männer. Kurzum, Frau hat auch ohne Kompetenz immer recht: In der Bäckereifiliale, in der Arztpraxis, beim Optiker, in den Medien, in der Politik eigentlich überall. Diese Frauen bedienen sich einer Tonalität, die alle Befürchtungen übertreffen. Konfrontiert man sie mit den Fakten, dann lenken sie nicht ein, nein, sie fühlen sich durch das Argument angegriffen.
Mein Führerschein ist bis 2033 gültig! Warum? Weil ich vor 1953 geboren bin, ist unter 4b in meinem gültigen Euroführerschein kein Ablaufdatum eingetragen. Der Staat geht davon aus, dass ich im Jahr 2033 aus Gründen meines Lebensalters keine Verlängerung anstrebe. Da hat er wohl Recht!
Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich meine eine Mitarbeiterin in einer Autovermietung muss einen Führerschein lesen können. Wenigstens müsste sie überlegen, ob vielleicht der alte Mann doch mehr über seinen Führerschein weiß als sie selbst?
Sie kam nicht auf den Gedanken, also ist sie für den Job nicht geeignet: Ende!
Nicht zu berichten bedeutet nichts Gutes
RFT 12. August 2026 | Warum, frage ich mich, kommt mir eine Fahrt nach Weimar, Erfurt, Halle so vor, als wäre ich im Ausland unterwegs. Die Erklärung liegt auf der Hand: Ich bin in die Medienfalle „böser Osten“ getappt. Im Osten sind die Menschen schon einen Schritt weiter als hier im satten Westen. Zumindest nehmen sie ihre Zukunft ernst und sogar in die eigene Hand. Sie wissen nach 36 Jahren Wiedervereinigung, es muss sich im Land etwas ändern. Damit sich was bewegt, machen sie das, was sie von früher kennen: sie stehen Schlange. Nicht für Lebensmittel, nein, für Autogramme und Selfies mit Ulrich Siegmund, dem Spitzenkandidaten der AfD für Sachsen-Anhalt. Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Für einen Kandidaten einer Partei, die bei uns als gesichert rechtsextrem eingestuft ist? Unfassbar! Der Sigmund, so scheint mir, ist nicht einfach ein Kandidat, er ist für sehr, sehr viele Leute ein Politstar. Ob sich nach einem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt dann tatsächlich etwas zum Guten ändert? Ein Großteil der Wählerschaft will die Chance nutzen. Die Lage ist aus westlicher Sicht ernst: Denn sollte sich irgendwann herausstellen, dass das mit der Brandmauer und „gesichert rechtsextrem“ mehr Fake als Tatsache war, dann haben viele Politiker und Medien im Westen komplett verloren. Verzeihen wird am Ende nicht mehr reichen.
Meine Community kommt jeden Tag in den Nachrichten
RFT 13. Juli 2026 | Stellen Sie sich vor mindestens zur vollen Stunde, wenn nicht sogar alle 30 Minuten wird in den Nachrichten Bayern München erwähnt. Mit Verlaub, in mir würde der gut gelaunte Klaus Kinski herausbrechen. Die Folgen kann man sich denken. Zum Glück ist es selbst im Freistaat Bayern noch nicht ganz so weit. Der Bayrische Rundfunk setzt bei hochsommerlichem Wetter auf die große Gruppe der „Vulnerablen Alten“. Ausreichend Trinken mahnen die Nachrichtensprecher. Zu Hause bleiben, wenn die Sonne glüht und der Thermometer über 30 Grad anzeigt. Abends im Fernsehen gibt es dann Ratschläge gegen die Einsamkeit im Alter. Herrlich!
Meine Generation trinkt nicht gerne allein. Sie ist es gewohnt, in die Kneipe zu gehen, um dort ein Bier zu nehmen. Was? Um Gottes Willen in dem Alter ist dafür das Risiko viel zu hoch! So ist es: Das Leben birgt viele Risiken in sich. Erst recht im höheren Alter, wenn man jeden gut gemeinten Ratschlag befolgt. Spätestens ab dem 65. Lebensjahr sollte der Mensch aufgrund seiner Lebenserfahrung wissen, wie Lebensqualität geht. Falls nicht, ist eh alles zu spät.
Jeder muss sein Päckchen tragen
RFT 27. Mai 2026 | Es lebe der Stadtfriedhof! Dort ist in aller Stille immer etwas los. Das Publikum gibt Ruhe und drängelt nicht. Die Redner schreien nicht, ihre Worte sind wohl überlegt. Der Friedhof ist ein sicherer Ort der Einkehr, des Nachdenkens und sogar des Miteinanders, wenn auch nur für eine kurze Zeit.
In Würzburg war vom 13. bis 17. Mai Katholikentag. „Hab Mut, steh auf“ stand auf großen Bannern. Eine zeitgemäße unverbindliche Floskel, unterstützend beredet von Sprechern, von denen man schon im Voraus weiß, was sie gebetsmühlenartig sagen werden: Harald Lesch; Frank Walter Steinmeier: Luisa Neubauer; Ricarda Lang; Bischöfe, Kardinäle und eine Schar ausgewählter „Laien“.
„Jeder muss im Leben sein Päckchen tragen“, mahnte meine Oma immer und immer wieder. Vor Rucksäcken mahnte sie nie. Wenn sie einen Mann mit Rucksack sah, dann war er für sie ein Flüchtling, im besten Fall ein Vertriebener. Heute und das war bei den Katholikentagen offenkundig, packen die Menschen ihre zahlreichen Päckchen in Rucksäcke, an denen sie ein Leben lang schwer zu tragen haben.
Im fortgeschrittenen Alter lamentieren sie, „ich habe Rücken“.
Der Rucksack hat dann ausgedient, die Päckchen kommen in den Rollator, der Buckel bleibt krumm. Es lebe der Stadtfriedhof!
Der 105. Katholikentag ist übrigens im Mai 2028 in Paderborn.
Wir wollen zu viel, wenn der Tag lang ist
RFT 23. April 2026 | Normalerweise halte ich es mit Rosemarie Veltins „Zu wenig fordern ist Faulheit“. Was aber jeden Tag in den Medien von uns Menschen gefordert wird, ist viel zu viel. Am frühen Morgen Sport, Yoga, gesundes Frühstück. Ach ja, und Zeit für die Kinder. Zur Arbeit mit dem ÖPNV oder besser gleich mit dem Fahrrad. Dann im Betrieb sich für die Gleichberechtigung – gleiche Bezahlung usw. – einsetzen. Nach Feierabend geht es weiter im Kampf gegen Rassismus. Endlich zu Hause muss gesundes Essen auf den Tisch. Danach Hausaufgaben der Kinder checken und Probleme anhören. Endlich Zeit für die Nachrichten. Themen: Gleichberechtigung, Krieg, Rassismus, Demokratie in Gefahr, Trump, Putin, Wildschweine im Garten, Kanarienvögel im Wald ausgesetzt. Beinahe hätte ich den „bösen Wolf“ vergessen, der nahe am Supermarkt lauert. Puh, die Welt ist schön, aber nicht für alle. Talkshow anschauen? Um Gottes Willen! Was ist, dass denn? Eine Biografie über Bob Dylan. Was sagt der da? Darf er das, der Nobelpreisträger? „All das Gerede über Gleichberechtigung. Das Einzige, was die Menschen wirklich gemeinsam haben, ist, dass sie alle sterben werden.“ Heiliges Kanonenrohr, ich traue meinen Ohren nicht. Was ist das für ein TV-Sender? Glück gehabt, weder ARD noch ZDF. Ich dachte schon, einer von denen wäre ein Stück zu weit in die Mitte gerückt. Ja, es stimmt, ich verlange zu viel, wenn der Tag lang ist.
Hinweis zur Gender-Formulierung:
Bei allen Bezeichnungen meiner Texte, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung alle Geschlechter, auch wenn aus Gründen der leichteren Lesbarkeit die männliche Form steht. (RFT)
